Alice – oder die Kunst durch ein Loch zu fallen. 

Unser Leben verläuft nie gradlinig. Eine Trennung, eines Unfalls oder Jobverlust. Plötzlich verlieren wir den Boden unter den Füßen und fallen in ein Loch. Von einem Augenblick zum andern ist nichts mehr, wie es scheint. 

Auch Alice fällt in ein Loch, meint sie. Doch sie fällt durch das Loch und nimmt unfreiwillig eine Auszeit vom Alltag. Hier im Wunderland kehren sich die Regeln um. Die Gesetze von Raum und Zeit sind nicht länger gültig. Wenn wir – und sei es nur für eine kurze Zeit – aussteigen und den Mut aufbringen, in unseren eigenen inneren Kosmos einzutauchen, werden wir dort auf überraschende Dinge stoßen.

Die Verwandlung beginnt mit der Absicht. Einige Frauen haben sich bewusst entschieden, in dieser Zeit der Übergänge in den Raum der Ver-Wandlung einzutreten. Diese Absichtserklärung ist die Eintrittskarte in eine Welt, in der ein innerer Prozess beginnt, der sich später im Außen zeigen wird. 

Diesen Heldinnen werden überraschende Dinge begegnen, genau wie Alice im Wunderland. Und dieses Neue ist lediglich ein Spiegel ihrer inneren Welt. 

Geplünderte Erde. Erste Station:

Kein Baum keine blühenden Blumen, kein Leben, keine Nahrung, kein Wachstum. Moderne Heldinnen sind so aktiv, dass sie sich oft selber vergessen. Die Kinder, der Haushalt, die Fitness. In dieser unserer Zeit auch noch Homeoffice, Homeschooling und kaum Ausweichmöglichkeiten. 

Das ist das Loch aus Alice im Wunderland und der vergebliche Versuch sich mit “ trink mich“ aus dieser Situation zu befreien. Erst wenn die Heldin die Situation annimmt, zeigt sich ihr eine Lösung und sie kommt wieder in Fluss. Ihre Tränen sind ein wesentlicher Schlüssel auf diesem Weg, denn so lässt sie die Spannung los und Hilfe kann kommen. 

Befreit findet sie ihre Füße wieder und folgt diesen. Durch die verrückte Welt, der sie jetzt begegnet, wird ihr innerer Teich wieder aufgefüllt. 

Um die wahre Schönheit in dieser verrückten Welt erkennen zu können, müssen wir uns, allerdings wie Alice für die Dauer unserer Auszeit bereit erklären, alles anzunehmen wie es ist. Ein Märzhase ist ein Märzhase. Ein verrückter Hutmacher ist ein verrückter Hutmacher und ein manchmal anstrengender Partner anstrengend. „

Alice hat ein klares Ziel: Sie will wieder nach Hause und so führt sie der Weg zur Herzkönigin. 

Die rote Königin zwingt Alice zu einem Wettlauf. Kurz vor der totalen Erschöpfung bemerkt Alice, dass sie nicht vom Fleck kommt. „in unserer Gegend kommt man im Allgemeinen woanders hin, wenn man so schnell und so lange läuft wie wir eben,“ keucht Alice atemlos. „Behäbige Gegend „antwortet die Königin „hierzulande musst du so schnell rennen, wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck blieben willst. Doch um woanders hinzukommen, muss du mindestens doppelt so schnell laufen“ Darauf antwortet Alice: „Ich möchte lieber nicht

Alice erkennt die Regel, lernt sich zu behaupten, übernimmt Verantwortung. Sie setzt Grenzen, wird klar.

Den Heldinnen aus der Ver-Wandlung geht es an diesem Punkt sehr ähnlich. Ein respektloses Bewerbungsgespräch wird abgebrochen. Ein Optiker, der die Kundin vertrösten will, verwandelt sich zum zuvorkommen Verkäufer. Aus Worten folgen Taten, die verstanden werden.

Für viele von uns gestaltet sich der Alltag genau wie der Wettlauf der Königin mit Alice. Wir machen immer mehr, wie auf einem Laufband, welches von Zauberhand immer schneller geschaltet wird und kommen doch nicht an. Der Ausweg der VERWEIGERUNG scheint uns heute nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Wir bleiben im Hamsterrad, glauben weiter machen zu müssen. 

Bertold Brecht: Wer A sagt muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.

Und vielleicht erkennen wir dabei, dass ein Richtungswechsel oder eine Umkehr uns viel schneller an unser Herzensziel bringt.

Die Ver-Wandlungskünstlerin lässt los und erkennt, dass sie niemals etwas verlieren wird, weil schon immer alles da war. Und dass sie aus dem Vollen schöpfen kann. In diesem „Chaos “ wohnt die Kreativität und hält für uns alle Möglichkeiten bereit. 

Doch woran können Sie sich orientieren?

Alice trifft auf ihrer Reise die Katze und stellt die folgende Frage: „Würdest du mir vielleicht bitte den Weg weisen.?“ Die Katze sagt: „Das kommt darauf an, wo du hingehen willst.“ Alice antwortet: „Das ist mir eigentlich egal. “Dann ist es auch egal, wohin du gehst.“

Wenn wir uns selbst studieren, dann ist es in der Tat egal, wohin wir gehen. Und wenn wir uns selbst erkannt haben, dann stellt sich diese Frage nicht mehr. Wir verstehen: Das Ziel ist nicht mehr wichtig. Es geht und ging immer nur um den Weg.

Die VerwandlungsKünstlerin erkennt, dass sie schon immer eine Gestaltwandlerin war. Sie genießt es, dieses Spiel zu spielen und springt von einer Rolle in die nächste. Mit jedem Archetypen nährt sie sich selber. So ist sie in der Lage sich zu bemuttern, bevor sie andere bemuttert. Sie lernt, sich selbst die beste Geliebte, zu sein. Und ihre heilige Auszeit zu genießen. 

Am Ende der Reise wächst Alice mutig über sich hinaus. Sie stellt sich dem Jabberwocky, welches nichts anderes als das übergroße Ego ist, welches wir nur mit Achtsamkeit, Hingabe und Bewusstheit in den Griff bekommen.

Alle Aspekte unseres Lebens werden intensiver, lebendiger, fabelhafter sobald wir uns ihnen hingeben, anstatt schon wieder etwas anders im Sinn zu haben. Und wenn wir bereit sind, unsere Begriffe, Vorstellungen und Meinungen fallen zu lassen, erkennen wir: unser Geist enthält alles.

Darum bist du Alice. Du hast immer die Alternative, im Tanz unseres Lebens alles anzunehmen, wie es kommt. Ohne Begrenzungen, ohne Anfang und ohne Ende. Zeitlos. Ewig.

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