Du kennst das: Gefühle sind unberechenbar. Es braucht nur eine kleine Situation, einen schiefen Blick, und wir können – wo wir doch gerade himmelhochjauchzend waren- zu Tode betrübt sein. 

Unser Gefühlsleben ist wie ein offenes Buch, in dem der Wind des Lebens die Seiten ganz rasch umschlagen kann. manche Menschen versuchen, sich möglichst rational zu verhalten- ihr Herz wird es ihnen nicht danken.1

Die Zeit, in der wir leben, bestimmt ebenfalls, welche Gefühlsäußerungen erlaubt und schicklich sind.

Es lastet eine große Spannung auf vielen Menschen, ich sage bewusst ‚lastet‘, denn es kann zu einer wirklich niederdrückenden Last werden, wenn ich versuche alles richtig zu machen und mich stets zusammen zu nehmen. 

In der Körpertherapie spricht man von einer „rigiden Charakterstruktur“. Das Spielerisch-Kreative geht verloren. Die Funktion steht über der Emotion. Die Gefäße werden eng und starr. Bluthochdruck und verengte Koronargefäße können Ausdruck dieser Haltung werden. 2

Die meisten Verhaltensmuster werden in der Kindheit gebildet. Wenn ein Kind die Anerkennung der Eltern oder Lehrer über Leistung erfährt, strengt sich um so mehr an.  Ein Verhalten wird eingeübt. Ganz gleich, ob es zu der Persönlichkeit des Kindes passt oder ihm guttut. 

Gabrielle Roth spricht in ihrer Arbeit auch von Disziplin, doch sie meint damit etwas anderes: eine Selbstverantwortung und Begeisterung dafür, in die Tiefe des eigenen Wesens zu tauchen und voller Neugierde die Wirkungsweise von Gefühlen zu erforschen. 

Sie selbst hat uns mit der Heartbeat-Landkarte ein wirksames Instrument gegeben, durch das wir die Orientierung bei unseren Tauchgängen behalten. 

Denn interessanterweise ist Wut nicht gleich Wut, sondern liegt oft über den Verletzungen, die wir in unserem Leben erfahren haben und die wir verstecken mussten, um in dieser Welt zu überleben. Wir haben uns gepanzert, um nicht wieder verletzt zu werden. Wir haben bestimmte Verhaltens- und Bewegungsmuster etabliert und merken erst viel später an bestimmten Körpersymptomen das etwas nicht stimmt. In der Regel werden dann die Symptome und nicht die Ursache behandelt.

Dabei ist der Körper ein so unbeschreibliches Wunderwerk an Möglichkeiten. Wenn wir uns ihm nähern und achtsam an die Gefühle heran gehen, kann eine befreiende, heilsame Wandlung stattfinden. 

Warum haben wir dennoch solche Angst in die Tiefe unseres Seins zu tauchen?

Es sind die „dunklen“ Gefühle, die uns abschrecken. Wir glauben, dass uns unsere Sorgen niederdrücken, unser Hass überhandnehmen könnte und wir in einer tiefen Depression landen, um nur einige Beispiele zu nennen. Stattdessen haben wir uns eine immer lächelnde Maske aufgesetzt und unter dieser brodelt ein Vulkan.

Wir brauchen alle Emotionen – sie sind lebensnotwendig.

Angst ist eine sehr sinnvolle Emotion. Sie zeigt uns wo eine echte Gefahr lauert. Unser Körper kann so fein gestimmt werden, dass er wie ein Radargerät funktioniert und uns vor großen Gefahren schützt. 

Zu unterscheiden, was eine eingebildete oder eingeredete Gefahr und eine wirkliche Gefahr ist, ist eine wesentliche Lehre und Medizin während der Bewegungspraxis. Ist dies geschehen, fühlt es sich in unserem Körper wieder freier an. Wir können unbefangener auf Menschen zugehen und haben alle Seiten des Lebens zur Verfügung. Der Körper ist weder starr vor Angst noch im Kampf oder Fluchtmodus. 

Unsere Ängste ernst zu nehmen, sie wirklich anzuschauen kann eine Brücke sein zu allen anderen Emotionen. 

Dann wird die Wut nicht mehr als Überlagerung genutzt, sondern in ihrer reinen Qualität zur Grenzsetzung für unsere Werte eingesetzt. 

Die Trauer wird nicht heruntergeschluckt, um stark und unverletzlich zu sein, sondern wird gefühlt und gelebt. So reinigt sich in uns etwas und es entsteht wieder Raum und Luft. Wir können wieder aufatmen und das Leben umarmen.

Die aufgesetzte Freude verschwindet aus unserem Leben. Und wir empfinden eine tiefe, echte Freude für uns und unsere Mitmenschen.

Mitgefühl bekommt einen anderen Ausdruck, denn wir brauchen nicht mehr mitleiden, da wir unser eigenes Leid transformiert haben. So sind wir anderen eine unterstützende Kraft in schwierigen Situationen.

Die Tauchgänge zu den eigenen Gefühlen laufen immer nach einem stärkenden Muster ab. Wir kommen im Körper an, bewegen was zu bewegen ist, befreien uns erst einmal von körperlichen Verspannungen, Beengungen und Einschränkungen. Dann laden wir über differenzierte Bewegungen die Emotionen ein und integrieren sie in unseren Tanz. Bei jedem Tauchgang sind wir faszinierter, was unser Herz uns mitteilen will und erweitern so unsere Ausdrucksmöglichkeiten. 

Wir drücken das Herz aus, um die Kraft des Liebens zu erfahren.

Gerald Koller- Herzensangelegenheiten

Georg Wögerbauer – Herzensangelegenheiten

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