Schwellengang

In jedem Märchen gibt es sie, die Schwelle zur Unterwelt. Die Heldin ist aufgefordert, in die Einsamkeit oder Dunkelheit zu gehen. Freiwillig tut sie das im Märchen nie, sondern ein Missgeschick oder eine Bosheit zwingen sie dazu. 

Die Rauhnächte sind eine Möglichkeit, bewusst in die Dunkelheit zu gehen. Es liegt etwas Märchenhaftes in ihnen und mit ihrem Zauber verführen sie die Heldin und locken sie tiefer in die Schattenwelt. 

Zu Beginn der Rauhnächte ein Schwellengang und die Frage: Wenn mein Unternehmen ein Buch wäre, wie würde der Titel lauten? Kaum gehe ich um die Ecke zum Rhein, erscheint ein Schiff mit dem Namen DEVOTION (Hingabe). Auf meinem Weg achte ich auf Pflanzen und erblicke die Stechpalme mit ihren dunkelgrünen Blättern und roten Beeren. Am Ende des Ganges sitzt ein Eichhörnchen mit seiner ganzen Schönheit mitten auf einer Baumgabel und knabbert voll Hingabe an seiner Nuss. Es lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, schaut nur von Zeit zu Zeit zu mir. 

Mit einem Vollmond zur Wintersonnenwende starten heuer die Rauhnächte. Überdies ist es der dreizehnte Vollmond. Dornröschen und die dreizehnte Fee lassen grüßen. Nicht jedes Jahr gibt es dreizehn Vollmonde und so lade ich die dreizehnte Fee ein, mit uns durch die Rauhnächte zu tanzen. 

Hat die Heldin bisher geglaubt, tanzen sei halt tanzen, dann hat sie noch nie die Magie der rauhen Nächte erfahren. Als erfahrene Magierin weiß ich um die Wirkung meiner Zauber-Tänze und frage beileibe nicht danach, ob sie bekömmlich sind, sondern welche Energie bewegt werden will. 

Nichts für schwache Gemüter. Stehst du jedoch an der Schwelle und bist bereit hinüberzuschreiten, ist es für dich genau die richtige Zubereitung. 

In Einklang mit den Gestirnen entsteht in den Rauhnächten etwas Ganzheitliches. Altes verbindet sich mit dem Neuen; wenn die Heldin im Januar wieder aus der Unterwelt aufsteigt, ist sie verändert. Erklären kann sie sich das zunächst nicht. Wo die Worte fehlen, zeigen ihre Taten ihr den Weg.

Hat sie jedoch versäumt, die dreizehnte Fee zum Tanz zu bitten, so wird diese sich immer wieder melden, bis sie aus ihrem Schlaf erwacht. 

Die Rückkehr aus dieser Zeit ist wie er Rückweg über die Schwelle. Vieles geschieht wie von selbst. 

Die Hingabe zeigte sich bei mir, indem ich mich noch tiefer in meinen Tanz versenkte; indem ich mit der Dunkelheit tanzte; indem mir bewusst wurde, dass ich den Kopf noch immer über Wasser halte, anstatt ganz abzutauchen in das Meer der unendlichen Möglichkeiten.

Dann tauchten Bilder auf: Ich schwimme mit dem Kopf über Wasser. Sobald es geht, werde ich tauchen lernen. Die Vertiefung mit dem Sternzeichen Fische, mit Lavendel, Hingabe und dem Planeten Neptun wurde an Land gespült.

Die Stechpalme wurde von den Germanen und Kelten verehrt. Sie steht für Hoffnung und Liebe. Sie hat die Lilith in mein Leben gerufen und mich aufgefordert, ihren Tanz in die Welt zu bringen. 

Das Eichhörnchen aus der Edda ruft mich auf, in meiner Mitte zu bleiben; das Spiel zwischen Gedanken und kraftvollem, sinnlichen genährt sein zu erkennen. 

Die Rückkehr ist immer eine Integration, zeigt den Weg in ein vertieftes Verständnis. Etwas ist er-wachsen und will nun gelebt werden. 

Ein Kreis hat sich vollendet; ein neuer beginnt.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top