Nun bin ich schon über 30 Jahre erfolgreich selbständig und noch immer ereilen mich Phasen, in denen ich mich selbst übernehme. 

Das passiert mir immer genau dann, wenn ich mich auf ein großes Ziel ausrichte. 

Dann höre ich wie durch einen Lautsprecher all die Hinweise und Aufrufe, die ich schon so oft gehört habe, die mich nur noch anöden, große Leuchtreklamen weisen mir den Weg – in eine Sackgasse. Ich will weiter vorwärts, doch ich sitze fest. Mein ganzes System kommt unter Stress. 

Bis ich mich wieder aus allem zurückziehe und wieder auf mich und meinen Weg des Erfolgs, den weiblichen Weg besinne.

Warum falle ich, trotz all meiner Erfahrung immer wieder darauf rein? Warum gerate ich immer wieder auf diesen männlichen Weg. Wenn auch nur für kurze Zeit. Denn zum Glück geht heute alles viel schneller als noch vor ein paar Jahren, denn ich lebe meine Berufung und weiß, was mich glücklich macht.

Keine Illusionen. Auch auf dem weiblichen Weg warten Frustration, Durststrecken und Misserfolge auf mich. Diese kann ich jedoch viel besser wegstecken als auf dem männlichen Weg mit seinen Zahlen, Fakten, Resultaten. 

Nicht, dass der weibliche Weg nicht zum Ziel führt. Denn Ziele will ich auch erreichen. Ich habe eine große Portion Staccato Energie in mir. Doch es besteht ein feiner Unterschied in der Art, wie ich an eine Sache herangehe, männlich oder weiblich. Das hat übrigens nichts mit Männern und Frauen zu tun.

Kaltakquise. Ich habe einen Termin nach dem anderen eingefahren. Ich habe Versicherungen verkauft, Seminare gefüllt, Marketingkonzepte entwickelt. Und jedes Mal ging es um Resultate, für die ich verantwortlich war. Es gab Zeiten, da habe ich mit meinem Produkt genau am Puls der Zeit gelegen. Mit Fachwissen, Klarheit, Kommunikationsstärke und Charme habe ich beste Ergebnisse erreicht. Es ging immer um Erfolg, das heißt um Resultate, Gewinne, Ergebnisse. Immer höher die Messlatte. Und wenn es dann nicht mehr so gut lief, wenn gar nichts mehr lief, dann war der Zeitpunkt gekommen, die Branche zu wechseln und neue Erfolge einzufahren.

Heute sehe ich Erfolg durch eine andere Brille. und das ist der entscheidende Unterschied.

Ich betrachte die Natur. Sie ist mein Ratgeber. Ebbe und Flut stehen als meine Paten am Weg. 

Es geht nicht immer aufwärts, sondern wie in einer Wiege, rauf und runter, hin und her. Es gibt keinen Grund mehr zur Panik, wenn es finanziell nach unten geht. Sondern ich mache in der Gewissheit weiter, dass nach der Ebbe die Flut kommen wird. 

Das gilt auch für ein neues Projekt. Ein Samen braucht Zeit, die richtigen Bedingungen, braucht Hege und Pflege, um zu sprießen und zu wachsen. Und Zuversicht und Gewissheit. Die Gewissheit, dass ich an sein Wachstum glaube.  Dies akzeptieren wir selbstverständlich für Pflanzen, auch für die Geburt und das Heranwachsen eines Babys. Doch berufliche Erfolge? Das ist der weibliche Weg, anzuerkennen, dass auch berufliche Projekte von diesen Naturgesetzen nicht ausgeschlossen sind. 

Wenn ich dem alten Denken vom Erfolg, ständig ansteigenden Zahlen, Resultaten zu viel Raum gebe, dann wächst die Angst vor Misserfolg gleich mit. Ich gerate unter Druck. Alles, was ich vermeiden will, wird größer. 

Sehe ich mich selbst jedoch als Teil eines Organismus, in dem Nahrung, Licht und Wärme und natürliche Ordnung herrschen, dann entspanne ich. 

Entspannung ist aus meiner Wahrnehmung die wesentliche Voraussetzung jeden Erfolges. 

Jeder Kunde spürt, wenn der Verkäufer unter Verkaufsdruck steht, und wird sich zurückziehen. Eine nicht entspannte Mutter kann sehen, wie die Probleme mit ihren Kindern wie Pilze aus dem Boden schießen. 

Es bedarf auch der Anspannung, doch der richtigen, die besser als Fokussierung bezeichnet wird. Dies sehen wir beim Bogenschießen. Die Konzentration auf das Ziel führt zur Spannung der Sehne, der Pfeil schießt los und ins Ziel. Es bedarf erhebliche innerer Entspannung, um diese innere Sammlung zu erreichen. 

Doch wie kommen wir in diese Balance? Für mich war es der Weg durch die Selbständigkeit. 

Hier lernte ich, wie ich meine Werte am besten leben konnte. Für meine Töchter da zu sein, wenn sie mich brauchten und doch berufstätig zu sein.

Mir Phasen der Ruhe und des Auftankens gönnen. Für mich geht das am besten, wenn ich mir Zeit für Sport, Tanz, Kreativität und Familie nehme. 

Ich brauche außerdem genügend Schlaf, selbstgekochtes Essen und Aufenthalt in der Natur.

Und Reisen in und zu meiner Berufung. 

Bewusst habe ich den Teil der Selbstfürsorge an die erste Stelle gesetzt, denn wenn ich das nicht tue, dann setzt bei mir der Stress ein. Ich werde unangenehm und unrealistisch. 

Habe ich für mich gesorgt, so fließt die Arbeit mir leicht aus der Hand, ohne dass ich mich erschöpfe. Denn ich will ja, dass meine Angebote angenommen werden, mein Auskommen gesichert ist. 

Phasen des Empfangens und des Gebens. Meist jedoch sind wir im Tun und damit verausgaben wir uns, ohne zu empfangen.

Der Weg aus diesem Hamsterrad ist:

Bestimme deine Werte und halte dich daran.

Nähre dich mit dem, was dir guttut. 

Warte, bis die Bedingungen richtig sind. 

Und setze dann klar um, was du willst. 

Entspanne und empfange. 

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